Gesundheitsregion INVADE Ebersberg
AOK- Präventionsprojekt INVADE ein Erfolgsmodell
Vor mehr als 10 Jahren wurde von Ärzten im Landkreis Ebersberg in Zusammenarbeit mit Kliniken der Technischen Universität München das Projekt INVADE (Interventionsprojekt zerebrovaskuläre Erkrankungen und Demenz im Landkreis Ebersberg) gegründet. Ziel war und ist es, die Erkrankungshäufigkeit von Schlaganfall und Demenz sowie die sich daraus ergebenden Fälle von Pflege- und Hilfsbedürftigkeit zu reduzieren. „Die Menschen sollen gesund altern und möglichst lange ein selbstbestimmtes, selbständiges Lebens führen“. Die AOK Bayern war von Anfang an als wichtigster Kooperationspartner mit an Bord.
Nahezu 4.000 AOK-Versicherte im Alter von mehr als 55 Jahren schrieben sich bei den Hausärzten des Landkreises Ebersberg in das Projekt ein. Fachärztliche Unterstützung bestand im Rahmen der erweiterten Diagnostik. Auch die Kreisklinik Ebersberg war mit einem eigens gegründeten Hochdruckzentrum in das Programm eingebunden. Im Mittelpunkt des Vorhabens stand die systematische Bestimmung von vaskulären Risikofaktoren und ihre an neuesten Erkenntnissen ausgerichtete Behandlung unter den Alltagsbedingungen der hausärztlichen Versorgung. Nach acht Jahren Laufzeit konnte nun gezeigt werden, dass die Pflegebedürftigkeit im Landkreis Ebersberg um fast 10 % geringer ausgefallen war, als man eigentlich hätte erwarten müssen.
„Der wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweis von Präventionsprogrammen gelingt selten oder erst nach Jahrzehnten, umso bedeutsamer ist der jetzt vorliegende Evaluationsbericht“, so Dr. Helmut Platzer, Vorstandsvorsitzender der AOK Bayern. „Das INVADE-Projekt hat den Nutzen eines primärmedizinischen Präventionsprogramms für Schlaganfall und Demenz bestätigt“, wovon er stets überzeugt gewesen sei.
Das Projekt wurde von Beginn an wissenschaftlich begleitet. Zur Mitarbeit konnten nahezu alle Hausärzte des Landkreises Ebersberg sowie die Kreisklinik bewegt werden. Es gelang nicht nur, die Zahl der Krankenhausbehandlungen zu senken, sondern auch die Lebenserwartung der Versicherten zu erhöhen. Besonders beeindruckend war jedoch der rund 10 % betragende Rückgang der Pflegebedürftigkeit unter den AOK-Versicherten. Gründe für den großen Erfolg des Vorbeugungsprogrammes sind im engen Kontakt von Patient und Hausarzt und in der konsequenten Anwendung wissenschaftlich fundierter Verfahren zur Therapie der seit langem bekannten Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und Zuckerkrankheit zu sehen.
In Anerkennung der INVADE-Arbeit überreicht Staatssekretärin Melanie Huml am 08. August 2012 im Rahmen einer Feierstunde das Qualitätssiegel „Gesundheitsregion Bayern“.
Bereits im letzten Jahr zeichnete die Bayerische Landesbank das gemeinsame Projekt von AOK Bayern und INVADE – Institut für Versorgungsforschung mit dem „Deutschen Innovationspreis im Gesundheitswesen“ aus.
Präventionsbaustein PolyScore
Die Bestimmung des PolyScore ist ein neues nichtinvasives Kurzzeitverfahren zur Risikoabschätzung.
Mit dem Task Force-Monitor wird 30 Minuten lang EKG, Blutdruck und Atemaktivität aufgezeichnet werden.
Es erfolgt eine Berechnung der Dezelerationskapazität und der Synchronie der Herzfrequenz, Quantifizierung der Extrasystolie, Berechnung der Baroreflex-Sensititvität, der Blutdruck-Turbulenz und der Dynamik der Inspirationsintervalle.
Damit soll abgeschätzt werden, wie hoch das Risiko der Patienten ist, im Verlauf der nächsten zwei Jahre kardiovaskuläre Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall zu erleiden oder zu versterben.
Ablauf:
Die Messungen werden von speziell geschulten Arzthelferinnen durchgeführt.
Vom Klinikum rechts der Isar der TUM werden die erfassten Biosignale zentral analysiert und der PolyScore mittels einer, von der Arbeitsgruppe Biosignalverarbeitung unter der Leitung von Professor Dr. Georg Schmidt entwickelten Software berechnet.





