Was ist INVADE?
Die Idee zum Projekt INVADE (Interventionsprojekt zerebrovaskuläre Erkrankungen und Demenz im Landkreis Ebersberg) entstand im Landkreis Ebersberg. Ausschlaggebend war die tägliche Erfahrung von Neurologen und Hausärzten, wie wichtig vorbeugende Medizin gerade bei den bedeutendsten Gehirnerkrankungen Schlaganfall und Demenz (geistiger Abbau) sind, d.h. welche zentrale Rolle dabei die konsequente Beeinflussung von Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen spielen.
Schlaganfall und Demenz sind die mit Abstand wichtigsten Ursachen für dauerhafte und schwere Pflegebedürftigkeit. Für viele unserer Patienten und uns selbst stellt Pflegebedürftigkeit das schlimmste vorstellbare Schicksal dar – schlimmer als der Tod. Wie aus der anhaltenden Diskussion um die Situation in den Pflegeheimen bekannt, stellt Pflegebedürftigkeit auch eine enorme und zunehmende Belastung für die Solidargemeinschaft dar.
Wie das Beispiel Bluthochdruck zeigt, ist auch heute noch ein Teil der Betroffenen nicht ausreichend behandelt, wenn man die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der deutschen Hochdruckliga zugrunde legt. Dafür gibt es verschiedene Gründe: viele Betroffene wissen gar nicht, dass sie Bluthochdruck haben, von denen, die davon wissen, nimmt nur ein Teil regelmäßig die verordneten Medikamente ein.
Bluthochdruck wie auch die anderen Risikofaktoren verursachen eben in der Regel keine Schmerzen.
Die zentrale Idee des Projekts liegt in einer konsequenten Erfassung und gegebenenfalls Behandlung von vaskulären (=Blutgefäß-) Risikofaktoren (wie Hochdruck, Hypercholesterinämie, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen, Herzvorhofflimmern und nicht zuletzt Bewegungsmangel/Übergewicht.
Wie können diese Ziele konkret erreicht werden?
Bei INVADE arbeiten folgende Akteure im Gesundheitswesen zusammen:
· die Hausärzte, denen bei INVADE eine zentrale Rolle zukommt
· die AOK Bayern, ohne die das Projekt nicht möglich gewesen wäre,
· die Neurologische und die Psychiatrische Klinik der TU München (Klinikum rechts der Isar),
· die Kreisklinik Ebersberg,
· die Pharmaindustrie, insbesondere die Firma Berlin-Chemie
· der Verein INVADE.
Die Hypothesen, die bei dem Projekt geprüft werden, sind
· Die Häufigkeit des Auftretens (Inzidenz) von Schlaganfall und Demenz bei den untersuchten und behandelten Patienten im Landkreis Ebersberg sinkt signifikant ab.
· Es kommt zu einer statistisch signifikanten Verminderung von Pflegebedürftigkeit.
· Die Gesamtbehandlungskosten (direkte und indirekte Kosten) steigen zunächst an, sinken im weiteren Verlauf dann aber unter das Niveau einer vergleichbaren Gruppe, die „wie bisher“ behandelt werden.
Der eingetragene und als gemeinnützig anerkannte Verein wird getragen von den Projektbeteiligten und dient als Bindeglied zwischen Hausärzten, AOK, Universität, Pharmafirmen. Das Büro des Vereins befindet sich in Baldham, im Landkreis Ebersberg.
Natürlich steht im Mittelpunkt des Modellprojekts der mündige Patient.



